Konzert

The Notwist

Montag, 02.11.2026
Im Wizemann Google Maps
Einlass 19:00 Uhr
Beginn 20:00 Uhr
VVK 38 € zzgl. Gebühren
AK 43 €

News from Planet Zombie

Mit »News from Planet Zombie« kehren The Notwist nach Jahren der Erkundung und des Experimentierens wieder in den Fokus zurück – mit einem Album, das gleichermaßen reich an Melancholie wie an Positivität ist, skizziert über eine Reihe mitreißender, leidenschaftlich gespielter Popsongs. Es ist ein Album, das eine chaotische Welt widerspiegelt, ihr jedoch mit Wärme und Großzügigkeit begegnet, um zu einer kreativen und spirituellen Konsolidierung zu gelangen. Aufgenommen in ihrer Heimat München, knüpft es an die Sicherheit des Lokalen an, um die Probleme des Globalen zu erkunden – ein leitender Impuls, der sich durch alle elf Songs des Albums zieht. Zudem ist es das erste Studioalbum seit »12« aus dem Jahr 1995, das die Band in ihrer erweiterten Live-Besetzung gemeinsam im Studio aufgenommen hat.

Ein neues Album von The Notwist ist immer ein neugierig stimmendes Unterfangen; ihre musikalische Sprache ist ebenso beständig und widerstandsfähig wie die Kontexte für Kreativität unvorhersehbar und ständig im Wandel sind. Für »News from Planet Zombie« hat sich das Kerntrio aus Markus und Micha Acher sowie Cico Beck den vielfältigen Möglichkeiten des gemeinsamen Songwritings geöffnet, indem sie Stücke ins Kollektiv einbrachten und dieses Material anschließend gemeinsam arrangierten, probten und live im Studio aufnahmen.

Das Ergebnis ist ein energiegeladenes Album, ganz im Hier und Jetzt, mit spektakulären Momenten, in denen man die Magie hört, die aus der Dynamik zwischen den Acher-Brüdern, Beck und den weiteren Bandmitgliedern Theresa Loibl, Max Punktezahl, Karl Ivar Refseth und Andi Haberl aufsteigt. Beginnt »Teeth« »News from Planet Zombie« noch ruhig und nachdenklich, sind spätestens bei »X-Ray« alle elektrisiert und feuern zukünftige Hymnen mit hochgedrehter kollektiver Energie ab. Die perlenden Tasten von »Propeller« gleiten über die Oberfläche des Instrumentals wie Steine über sprudelndes Wasser; »The Turning« scheppert sich seinen Weg zu einer der herzerwärmendsten Melodien des Albums.

»News from Planet Zombie« wurde innerhalb einer Woche im Import Export aufgenommen, einem gemeinnützigen Raum für Kunst und Musik. Das hört man auch: Es gibt hier einige angenehm raue Kanten, als würde The Notwists Streben nach verschwommener Perfektion bedeuten, dass sie zugleich selbstbewusst genug sind, den Songs Raum zum Atmen und zur Veränderung in unseren Ohren zu lassen. Diese Offenheit für den Zufall schließt auch Gastauftritte von Freunden aus dem lokalen wie internationalen Umfeld ein – ein Spiegel des kosmopolitischen Münchens: Enid Valu steuert Gesang bei, Haruka Yoshizawa ist an Taishōgoto und Harmonium zu hören, Tianping Christoph Xiao an der Klarinette und Mathias Götz an der Posaune.

The Notwist sind nicht unbedingt für Coverversionen bekannt, doch »News from Planet Zombie« enthält gleich zwei davon: eine wunderschöne Version von Neil Youngs »Red Sun« (aus »Silver & Gold«, 2000), die die Gruppe ursprünglich für ein von Jette Steckel inszeniertes Theaterstück entwickelte, sowie eine Interpretation von »How the Story Ends« der Folk-Pop-Gruppe Lovers aus Athens, Georgia. Beide fügen sich perfekt in die Erzählung des Albums ein, schmiegen sich wie alte Freunde an und zeigen The Notwist als poetische Interpret:innen. Gut gespielt ist eine Coverversion zugleich Anerkennung von Weggefährt:innen und Akt der Großzügigkeit – und The Notwist treffen hier beides auf den Punkt.

Und diese Erzählung, der Verlauf des Albums? »News from Planet Zombie« erkennt die Bedrängnis unserer gegenwärtigen geopolitischen Sackgasse an und erinnert uns zugleich daran, dass es kollektive Wege nach vorn gibt. Gefiltert durch die Figur des Zombies erkundet Markus Acher unsere Ängste: »Im Titel und in einigen Texten beziehe ich mich auf B- und Horrorfilme – als Verweis auf die verrückte Welt im Moment, die sich anfühlt wie ein wirklich schlechter und unrealistischer B-Movie.« Doch zugleich ist dies eine Erinnerung daran, den Faden nicht ganz zu verlieren – dass auch diese Dinge vorübergehen werden.

»Der Fluss hier in München, zu dem ich oft gehe, ist schon immer da gewesen und wird auch lange nach uns noch da sein«, reflektiert Acher und benennt damit eine wichtige Quelle des Trostes für ihn: »Immer gleich und doch immer in Veränderung. Sehr beruhigend, aber auch stets eine Erinnerung daran, dass – wie bei diesem Fluss – die Zeit nur in eine Richtung fließt und man nicht zurückgehen kann. Jeder Moment ist sehr kostbar.«

Fotos © Bernd Hofmann