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Samstag, 3. Oktober & Sonntag, 4. Oktober



Nana & Friends:

Fußbadlesung

"Abstrakter Gefährdungsraum"

Eintritt: >> Vorverkauf : € 11,- / >> Abendkasse : € 13,-

Wohltat für die Sinne. Düfte und Fußbäder.
Eine inszenierte Lesung in liebevoll freundlicher Atmosphäre.

©NANA&FRIENDS trifft die Schauspielerin Stela Prislin-Katic, Christopher Walz und Michael Fohler.
Stela Prislin-Katic und Nana Hülsewig lesen Auszüge aus der Novelle Abstrakter Gefährdungsraum (von Nana Hülsewig).
Freundliche Pfleger und Schwestern bereiten Ihnen einen ungewöhnlichen Abend mit vollem Pflegeprogramm: wer möchte, bekommt ein aromatisch duftendes Fußbad. Blaue Wannen auf Lattenrosten, saubere Handtücher, hübsche Spitzenvorhänge und sanfte "Wellness"-Klänge: Eine Atmosphäre wohliger Entspannung lässt die klinisch-beklemmende Raumsituation der Pflegestufen in den Hintergrund treten - bis die Lesung die Besucher vor eine unerwartete Tatsache stellt... Erlesenes von Kopf zu Kopf und Botox für den Hammerzeh, unser ganzheitliches Vergügen. Denn ist die Ferse erst mal glücklich, jauchzt der ganze Mensch. Nach 70 Minuten gingen Sie anders, als Sie je gekommen sind...

>> Fotos vom 6. Juli 08, beim Jubiläum

Mehr als "saubere Füße". Und worum gehts?

Exposé für die Fußbad-Lesung "Abstrakter Gefährdungsraum"
"Abstrakter Gefährdungsraum" handelt von einer Frau - Joe, so um die vierzig, verheiratet, zwei Kinder, die in einer extremen Lebenskrise steckt, an schweren Depressionen leidet und sich selbst in die Psychiatrie begibt.
Sie beginnt dort ihre Bedürfnisse von Freiheit zu definieren, in dem sie anfängt ihr "sich eingeschlossen zu fühlen" minutiös zu betrachten, zu beobachten, zu erkennen, einen Zugang zu sich selbst zu finden und dadurch eine Veränderung einzuleiten, ihr Leben schrittweise umzugestalten. Sie besinnt sich auf sich, überprüft ihre Bilder, ihre Abhängigkeit, und beginnt ihr eigenes Leben zu suchen. Am Ende erkennt Joe, dass genau ihre Angst und ihre Wut, die sie nie zulassen wollte, sie zu sich selbst führen. Sie beginnt sich als Ganzes zu akzeptieren.

Ich möchte eine Verbindung herstellen zwischen der Intimität meines Textes und der Intimität die dadurch entsteht, dass man seine Füße öffentlich badet. Diese gegenseitige Annäherung beziehungsweise Öffnung der Menschen, die in (freiwilligen!) Kontakt miteinander treten, interessiert mich (es gibt keinen Zwang, niemand muss seine Füße baden).
Für mich sind es in erster Linie Frauen, die die Fähigkeit besitzen, Intimität und sich-wohl-fühlen in Verbindung zu bringen und ganz besonders natürlich Krankenschwestern. Sie verkörpern zum einen die, die sich aufopfern, in ihrer Sorge um andere, die im Stande sind, sich hingebungsvoll der Pflege fremder Leute zu widmen.
Zum anderen können sie sich abgrenzen. Tut man dies nicht birgt dies das Risiko sich selbst zu verlieren, man büßt den Blick für sich selbst ein, indem man ihn nur noch auf andere richtet. (Mir rollen sich die Fußnägel nach oben, beim Gedanken im Alltag eine Krankenschwester zu verkörpern! Dennoch bin ich nicht gefeit auch mal in diese Falle zu treten).

So besteht die Gefahr, für Frauen im Allgemeinen, diese Kümmernis um Andere (um ihre Familien, Kinder, Partner...) zu ihrem Lebensinhalt zu machen und sich darüber hinaus nur noch sinnvoll in Bezug zu anderen zu sehen. Man ist dann außer Stande seinen persönlichen "Kurs" zu korrigieren und somit nicht mehr in der Lage sein ohnehin schon überfrachtetes Schiff in fremden Gewässern zu führen. Ein Thema auch des vorgelesenen Textes.

Freiheit muss man aushalten können. Es ist ungeheuer schwierig aus den oben genannten Zusammenhängen, den über Jahre eingefahrenen Rollen, auszubrechen und seine Freiheit zu finden und zu leben. Um sie zu erhalten braucht man Vertrauen und es bedarf der Überwindung der eigenen Bequemlichkeit.
Indem man seine Scham überwindet und sich auf etwas einlässt was einem gut tut (z.B. sich öffentlich an einem Fußbad zu beteiligen), befreit man sich von etwas, was einen vorher eingeschränkt hat.

"Weiß du, dass Verzweiflung eine Art von Freiheit schaffen kann, den Mut der Verzweiflung? Wenn man sie erkennt und akzeptiert, kann sie einen praktisch überallhin führen." (heißt es in meinem Text)